Kurz vor`m Spiel

Kurz vor`m Spiel

„ Habt Ihr das auch?“ Komisch, immer wenn abends ein Meisterschaftsspiel ansteht, macht sich bei mir ein leicht flaues Gefühl in der Magengegend breit.
Jetzt hau ich schon weit über vierzig Jahre regelmässig gegen die kleine Kugel und bin immer noch nervös.

Spätestens, ich sitze gerade beim Taschepacken im Schlafzimmer auf dem Bett: „Unterbrechung!“ Der Darm rumort, wie immer, ab auf den Pott, `ne Stange Nugat versenken. Dabei kommen dann so Ideen, wie: „ Wenn so ein Pfündchen versenkt ist, bin ich ein bischen leichter und dann an der Platte vielleicht etwas schneller.“

Doch, wie so oft – Fehlalarm-, nur heiße Luft.

Also weitermachen mit Tasche packen. Natürlich ist das Trikot mal wieder nicht zu finden. „Maggie, wo ist mein Trikot?“ „Auf der Leine im Keller!“

Nicht, dass sich mein Weib bemüht, mir das Teilchen hochzuholen, nein ich kann mich durch fünf Reihen Unterhosen, T-Shirts und Socken durchwühlen und selbst suchen. Ich hasse diesen Keller!

„ So, hab` ich nun alles?“ frage ich mich, erneut auf dem Bett sitzend und gehe noch mal alles durch. Normaler weise vergesse ich immer ein Teil.

Sicherheitshalber sehe ich mir noch mal genauer meine frisch eingepackte Unterhose an.
In letzter Zeit schmuggelt meine Frau gerne mal eines ihrer Höschen mit Spitze in meinen Stapel Unterwäsche.

    Ich bin schon mal ordentlich verlacht worden, als ich in der Muckibude
    ahnungslos in solch ein Teil gestiegen bin.
    So, Tasche fertig, und siehe da, das Timing stimmt, Kühnelli schellt an der Türe.
    Gerade noch fällt mir ein, ich sollte noch ein paar Tempos mitnehmen.
    Spätestens in der Halle wird mich mein Darm erneut auf den Trichter zwingen.
    Scheißhauspaarpier gibt es da nie. Also für´s Schmirgeln mußt Du Selbstversorger spielen.

So, Tasche geschultert, Opa Horst begrüßt, ab ins Auto und los. Kaum bist Du losgefahren, läuft das Standardprogramm, Wiederholungen wie im Fernsehen.

Opa Horst berichtet von seinen Enkelkindern. Ich kann Euch sagen, Spannung pur: „Klein Erik hat mit Opa mal wieder `ne Baustelle besichtigt und am Wochenende kommen nur die beiden Großen für drei Tage zu ihm und Erika.
Der ganz Kleine noch dabei, das sei zuviel.“

Da wir , auch fast wie immer, mal wieder die Ersten an der Halle sind, bauen wir alle Platten und Banden auf und – siehe da – ich muß wieder auf den Topf -.

Für „Männer“ gehe ich schon gar nicht. Die Keramik dort sieht zumeist viel schlimmer aus, als die der „Mädchen“. Aber auch da erlebt man nicht gerade das reine Vergnügen. Erste Aufgabe ist stets: Tempos raus, naß machen, Brille wienern und: „Aufpassen!
Es müssen noch genügend zum Schmiergeln überbleiben!“

Dann bleibt immer noch absolute Anspannung. Man kann nicht abschließen, sitzt schief auf dem Trichter, damit ein Fuß die Türe sichern kann oder weit vor gebeugt, um mit der Hand die Türe zuzuhalten.

Siehe da, die Anspannung hilft, der Kupferbolzen löst sich und wird versenkt.

Passend dazu laufen Walter und Franz ein. Während Walter angenehm ruhig ist, muß sich Fränzchen natürlich bemerkbar machen: „Äh Präsident, bist Du wieder am Scheißen? Spreng bloß nicht die Keramik! Verwest Du eigentlich schon?“

Naja, es ist halt wie immer.

Auch wie immer, schneller bin ich trotz der braunen Erleichterung nie geworden.

            Schmetterball !!!
                                                                       Text: Gunnar Vogel

Autor: Michael